auf dem Weg zur Quelle

Schlagwort: Sehnsucht

Dein Sehnen

Dein Wort
hat keine Buchstaben
und es ist nicht zu hören

Dein Wort ist formlos
wie dein Geist

Und doch

Sähe ich nicht
den Tau im Frühlingsnebel
und spürte ich nicht
das Weiten meines Herzens
wie könnte vernehmbar sein
Dein Sehnen
in mir

R.K. 2019

Shenandoah

Keith Jarrett, Shenandoah
aus der CD: Melodie at night with you

„Ich glaube, dass man nur dann ein wirklich wertvoller Künstler sein kann, wenn man die Unmöglichkeit seiner Aufgabe erkennt – und trotzdem weitermacht.“
Keith Jarrett

Sehnsucht

Was unter physikalischen Gesichtspunkten Anziehungskraft genannt wird ist in der Mystik die Sehnsucht. Sie ist Urbeweger und bringt Menschen dazu, auf die Suche zu gehen. Irgendetwas fehlt, aber es erschließt sich oft zunächst nicht, was. Die Zeit scheint noch nicht gekommen zu sein, mit der sie sich erkennbar öffnet. Oder das, was sie ansteuert, liegt so weit außerhalb des „normalerweise“ menschlich Erstrebten, dass sie noch nicht wahrgenommen werden kann oder will.
Die in der Mystik beschriebene Sehnsucht bezieht sich immer auf das Ungeschaffene und letztlich Unverfügbare. Insofern ist sie an die Tiefendimension des Lebens angekoppelt und nur auf wunderbare Weise – aber eigentlich nie vollständig – erfüllbar. Bezieht sich unser Wollen auf das Geschaffene und Verfügbare so hat dies nichts mit Sehnsucht zu tun, sondern mit Begehren, Begierde oder Leidenschaften.

Das grundsätzliche Problem bei der Sehnsucht ist, dass sie zudem kaum wahrnehmbar ist, wenn wir auf einem oder mehreren Trips sind. Dazu gehören, abgesehen von den stofflichen Süchten, z.B. Geltungssucht, Konsumsucht, Kontrollsucht, Eifersucht usw.. Solange unsere Trips noch einen „Gewinn“ abwerfen, wird die Sehnsucht, wenn sie überhaupt empfunden wird, eher als störend eingestuft. Oft kann sie in den eben beschriebenen Fällen erst mit einem bedeutenden Verlusterlebnis ins Bewusstsein kommen.