auf dem Weg zur Quelle

Schlagwort: Mystiker*innen

Sei du dein

Niemand kann sich dir nahen, da du unnahbar bist.

Daher erfaßt dich niemand, es sei denn, du schenkst dich ihm. Wie wirst du dich mir geben, wenn du nicht erst mich selbst mir gibst? –

Und wie ich in schweigender Betrachtung ruhe, antwortest du mir, Herr, in der Tiefe meines Herzens.

Und du sagst: Sei du dein, so werde ich dein sein!

O Herr, du Beglückung in aller Wonne, du hast es zur Sache meiner Freiheit gemacht, daß ich mein sein kann, wenn ich so gewollt habe. Gehöre ich nicht mir selbst, so gehörst auch du nicht mir.

Nicolaus von Cues: De visione dei 7

Nachfolge

„Wer mir nachfolgen will […] nehme sein Kreuz auf sich“ (vgl. Mt 16,24)

Eines Tages betete sie für eine Person mit dem Bedauern, dass sie aus deren Mund ein Wort der Ungeduld gehört hatte, warum Gott ihr solche Beschwerden schicke, die nicht für sie geeignet wären. Weiterlesen

Der Riss

Ring the bells that still can ring.
Forget your perfect offering.
There is a crack in everything.
That’s how the light gets in.

Läute die Glocken, die noch klingen.
Vergiss deine wohlfeilen Gaben.
Da ist ein Riss, ein Riss in allem.
Das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt.

Leonard Cohen

Die sechste Spur – Gottesgeburt

Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.
Angelus Silesius

Wenn man mich fragte: Warum beten wir, warum fasten wir, warum tun wir alle unsere Werke, warum sind wir getauft, warum ist Gott Mensch geworden, was das Höchste war? – Ich würde sagen: darum, auf daß Gott in der Seele geboren werde und die Seele (wiederum) in Gott geboren werde. Darum ist die ganze Schrift geschrieben, darum hat Gott die Welt und alle Engelsnatur geschaffen: auf daß Gott in der Seele geboren werde und die Seele (wiederum) in Gott geboren werde. Eines jeden Kornes Natur zielt auf Weizen, und alles Metalls Natur zielt auf Gold, und jedes Gebären zielt auf den Menschen. Darum sagt ein Meister: Man findet kein Tier, das nicht etwas dem Menschen Gleiches aufwiese.
Meister Eckhart, Predigt 38

Entsinke in dein Nicht-Wissen

Suche nichts als ein reines, einfaches Entsinken
in das reine, einfache, unbekannte, namenlose,
verborgene Gut, das Gott ist,
und in alles, was sich in ihm enthüllen mag.

Alles soll sich an sein Nichts halten:
Nichts wissen, nichts erkennen, nichts wollen,
nichts suchen, nichts haben wollen.

Suche weder Empfindung noch Erleuchtung!
Entsinke in dein Nicht-wissen
und Nicht-wissen-wollen!

Johannes Tauler, 1300 bis 1361