auf dem Weg zur Quelle

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Das wahre Licht ersehnen

Dieses Licht führt uns an der Hand, stärkt und belehrt uns, es zeigt sich uns und entschwindet, wenn wir es brauchen. Es ist nicht da, wenn wir es wollen – das ist den Vollkommenen vorbehalten –, sondern erst dann, wenn wir in Not und völlig erschöpft sind, kommt es uns zu Hilfe. Es kommt von fern, und ich darf es in meinem Herzen spüren. Ich schreie danach fast bis zum Ersticken – so gerne will ich seiner habhaft werden –, aber alles ist Nacht, und meine armen Hände sind leer. Ich vergesse alles, setze mich hin und weine verzweifelt, da ich nicht hoffen kann, es jemals wieder zu sehen. Dann aber, nach vielen Tränen, wenn ich eingewilligt habe, darauf zu verzichten – dann kommt es auf geheimnisvolle Weise, ergreift meinen Geist, und ich breche in Tränen aus, ohne zu wissen, wer es ist, der meinen Geist mit einem so sanften Licht erleuchtet. Doch sobald ich es erkannt habe, fliegt es schnell davon und lässt in mir das Feuer seines göttlichen Verlangens zurück. Nach und nach entzündet sich dieses und wird, angefacht durch die Erwartung, zu einer großen Flamme, die bis zum Himmel reicht – jedoch durch Nachlässigkeit, Verstrickung in Alltagsgeschäfte und die Sorgen des Lebens erlischt.
Simeon der Neue Theologe (um 949-1022)
Griechischer Mönch, Heiliger der Orthodoxen Kirche


Pfingsterleben (2)

Fassungslos

Wie könnt‘ ich dich fassen, Großer Geist?
Meinem Zugriff wäre fern dein Hauch.

Und doch bist du da und weist
mir die Spur des Sehnens
nach deiner Kraft und auch
nach deiner Lebendigkeit.

Im Feuer meiner Liebe,
noch in der letzten Glut,
bist du das Entfachen.
Und mein verletzter Mut,
zum Leben bereit,
wird erwachen.

Du hast mich schon ewig erfasst.

R.K. 2023

Übertönte Stille

Über die Unmöglichkeit von der Stille zu reden


„Wie still ist es hier! Keine anderen Geräusche
als Murmeln des Baches und Summen der Bienen
und Singen der Vögel!“


„Und eine Stimme, die redet von Stille,
vom Murmeln des Baches, vom Summen der Bienen,
vom Singen der Vögel. Und übertönt sie.“


Robert Gernhardt

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