Wie komme ich aus dem Angstgeist in das unbedingte Vertrauen?

Ein persönlicher Bericht

Meine erste Erfahrung auf dem Weg von der Angst zum Vertrauen ist Vergeblichkeit. Was habe ich nicht alles versucht, um meine existenzielle, unbestimmte Angst loszuwerden. Ich habe jedes psychologische Verfahren ausprobiert, dass mir Erfolg versprach: Verhaltenstherapie, Kognitive Therapie, Transaktionsanalyse, Heilung des inneren Kindes, Positives Denken …. Ich wurde zu einem Fachmann für vergleichende Therapiewissenschaft, und hatte auch für andere immer den passenden Rat. Aber meine Angst wuchs. Ich war Agnostiker, Philosoph, Psychologe, Buddhist, Atheist, aber ich war nie im Herzen meines Lebens. Gerettet haben mich zunächst die Ohnmacht und die Verzweiflung. Sie waren in Verbindung mit der Angstsymptomatik kaum auszuhalten; aber sie waren irgendwie notwendig. Erst mit dem Eingeständnis von Ohnmacht kam so etwas wie Innehalten und allmähliches Akzeptieren. Ich lernte mein Angst anzunehmen und sagte mir, dass sie aus einem mir unbekannten Grund da ist und wohl da sein soll und darf. Damit verbunden war schon ein erstes inneres Aufatmen.

Schon während der Phase der Vergeblichkeit spürte ich, wie mich bestimmte Musikstücke, vor allem von J.S. Bach, und Texte, oft von Paul Gehrhadt und Johannes Tauler, ansprachen und mein Inneres weiteten. Sie rührten in mir etwas an, eine Art Sehnsucht nach der Wirklichkeit, die wir „Gott“ nennen. Ich spürte also eine Resonanz, die beidseitig war, von dieser Wirklichkeit zu mir und scheinbar auch von mir zu ihr. Ich lernte allmählich meinem Gespür, in dem sich eine Art Angesprochen-Sein verwirklichte, zu vertrauen. Mit jeder inneren Weitung kam ich mehr auf eine Spur, die für mich ausgelegt zu sein schien. Und mit jedem Schritt auf dieser Spur verlor die Angst an Bedeutung und Vertrauen konnte wachsen.

Unsicher wurde ich dann, wenn ich auf äußere Autoritäten hörte, die einen solchen „Weg aus der Angst“ in Frage stellten oder gar ausschlossen. Also musste ich mich als weiteres von diesen Autoritäten und von der damit verbundenen Abhängigkeit lösen. Dabei bin ich fürchterlich gescheitert. Ich konnte es nicht. Es stand nicht in meiner Macht, mich von meiner Abhängigkeit zu lösen. Aber auch dieses Scheitern war notwendig, damit sich der nächste Schritt zeigen konnte, den ich wohl gehen sollte.

Dann sah ich irgendwann vor meinem inneren Auge ein Bild. Es war dieser Jesus, der eine Art ledernen Umhang um seine Schultern trug. Damit „sagte“ er mir „Lade alles auf mich ab!“ Das war nicht das, was ich mir gewünscht hatte, weder diese Person noch das Angebot, aber es war das, was mir gegeben wurde. Aber ich war noch nicht reif dafür, dieses Angebot anzunehmen. Ich hatte die Befürchtung, mit einer Bindung an diesen Jesus meine Freiheit zu verlieren. Es ist paradox, ich war in meiner Angst total unfrei und isoliert und dennoch glaubte ich, die Freiheit in einer Beziehung verlieren zu können.

Irgendwann in dieser Zeit fand ich „zufällig“ (?) das Herzensgebet (Siehe Blogbeitrag vom 16.05.2020!). Ich fühlte mich sehr zu diesem Gebet hingezogen und gleichzeitig waren da starke Abwehrkräfte. Der innere Kampf zwischen diesen beiden Kräften, meiner Gottessehnsucht und meinem Unabhängigkeitsbestreben, währte eine Zeitlang und forderte von mir alles ab. Schließlich kam ich ohne mein Wollen und Zutun in eine Art „Auge des Hurrikans“, in dem Ruhe und Frieden herrschte. Ich merkte, dass ich nur noch einen Wunsch hatte, nämlich dieses Gebet zu beten. In dieser Phase war ich frei von jeglichem instrumentellen Denken; ich wollte nichts mehr erreichen oder verhindern. Mein Herz war rein. Dann betete ich die erste Form, und alle Macht der Finsternis wich von mir ab. Mein Inneres ordnete sich über Nacht neu, und ich war frei – frei durch Übergabe und Bindung an Christus. Und ich war erlöst von meinen Selbsterlösungszwängen. Und damit kam die Kraft.

Auch heute, nach 25 Jahren, ist diese Wandlung für mich wundersam und immer noch wahr. Aber es nützt nichts, es sich in einer solchen Erfahrung gemütlich einzurichten. Die neuen Herausforderungen beginnen in dem Moment, indem man besondere Erlebnisse festhalten oder für eigene Zwecke nutzbar machen will. Der Lebensfluss nimmt uns mit zu neuen Ufern. Die Angst hat keine Macht mehr über mich, aber die heutigen Herausforderungen sind auch nicht von Pappe, auch wenn ich immer wieder neu erleben darf, dass die Christusnatur da ist, mich im wahrsten Sinn des Wortes „herausfordert“ und leitet. Ich bleibe weiterhin fehlerhaft und erliege Versuchungen, aber in diese Unvollkommenheit wird das göttliche Wort immer wieder hineingesprochen. Immer wieder. Bis ich es verwirklichen kann.

Ich bin fest davon überzeugt, dass für jeden nach der göttlichen Wirklichkeit dürstenden Menschen auf einem ganz eigenen, wundersamen Weg ein solches Wunder bereit steht. Aber vielleicht ist dieses Wunder eher eine Art kosmisches Gesetz, in das jeder Mensch eingebunden wird, der sich einem göttlichen Du übergibt.